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Mentale Gesundheit
11. September 2023

Alltagsdrogen – Das sollte jeder wissen!

Laura Osterhaus

Ein Gläschen Wein zur Entspannung hier, ein wohl verdientes Feierabend-Bier dort. Oftmals ist der Umgang mit Alkohol ein sehr lockerer. Doch wird die Gefahr vielleicht unterschätzt? Dieser Beitrag soll als Denkanstoß für Trainer, Therapeuten und Ärzte dienen, mehr für das Thema zu sensibilisieren. Dabei möchte ich über die Datenlage rund den Konsum von legalen Substanzen in Deutschland informieren und über die gesundheitlichen Folgen aufklären.

Laut dem Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA) aus dem Jahr 2021 ist der Konsum von psychoaktiven Substanzen in Deutschland stark verbreitet (Rauschert et al., 2022). Unter psychoaktiven Substanzen versteht man natürliche, chemische oder synthetische Stoffe, die sich auf das zentrale Nervensystem in einem solchen Maße auswirken, dass Wahrnehmung, Denken, Fühlen und Handeln der konsumierenden Person beeinflusst werden (Wittchen & Hoyer, 2011). In diesem Beitrag konzentrieren wir uns aber nur auf die zwei legalen Alltagsdrogen Alkohol und Tabak.

Schon 3500 v. Chr. wurde Alkohol konsumiert und stellt somit die älteste Droge der Menschheit dar (ebd.). Die Auswirkungen von regelmäßigem Alkoholkonsum werden in unserer Gesellschaft stark unterschätzt. Laut dem ESA aus dem Jahr 2021 ist Alkohol die am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz in Deutschland. Bei einem riskanten Konsum von Alkohol über einen längeren Zeitraum treten hauptsächlich chronische Erkrankungen, wie kardiovaskuläre Erkrankungen oder Krebserkrankungen auf. Riskanter Alkoholkonsum bezeichnet einen täglichen Konsum von mehr als 12g Ethanol bei Frauen und 24g Ethanol bei Männern.

Wahrscheinlich fragst du dich jetzt wie viel Ethanol, also Reinalkohol, in einem Glas Wein oder Bier enthalten ist? Ein Glas Wein (0,2l) beinhaltet 19g Ethanol und 10g Ethanol ist weniger als in 0,33l Bier und etwas mehr als ein 0,2l Bier. Es kann also davon ausgegangen werden, dass bei einem täglichen Konsum von einem Glas Wein bei Frauen oder bei zwei Bier bei Männern der angegeben Ethanolgehalt überschritten wird. Episodisches Rauschtrinken, welches bei einem Konsum von fünf oder mehr Gläsern Alkohol (ca. 70g Ethanol) stattfindet, führt vor allem zu akuten Verletzungen, auch bei Dritten infolge von Verkehrsunfällen oder einem Alkoholkonsum während der Schwangerschaft (Rauschert et al., 2022).

Alkohol in der Schwangerschaft

Etwa ein Drittel aller werdenden Mütter in Deutschland trinken Alkohol während der Schwangerschaft (Landgraf & Hoff, 2019). Erschreckend, nicht wahr? Dies sollte zwingend vermieden werden. Schon in der frühen Schwangerschaft kann es durch Alkoholkonsum zu schweren Folgeerkrankungen, wie Fehlbildungen oder einer geistigen Behinderung des Kindes kommen. Körperliche Folgeschäden von chronischem Alkoholkonsum sind: maligne Erkrankungen, wie einem Leberzellkarzinom; gastrointestinale Erkrankungen, wie der Leberzirrhose; kardiovaskuläre Erkrankungen, wie Herzrhythmusstörungen; hämatologische Erkrankung, wie Anämien und zuletzt auch der Polyneuropathie. Neben den körperlichen Folgeschäden können ebenfalls psychiatrische Erkrankungen auftreten, wie Depressionen, Angststörungen oder Gedächtnisstörungen. Darüber hinaus sind Demenz und ein schwaches Immunsystem häufige Folgeerkrankungen (Pottgießer et al., 2023).

Auch das Einatmen von Rauch wird schon seit Jahrhunderten konsumiert. Seit dem Jahr 2003 werden RaucherInnen in Deutschland aufgrund aktualisierter EU-Richtlinien mit Warnhinweisen auf den Zigarettenpackungen konfrontiert. Rauchen verdoppelt das gesamte Krebsrisiko gegenüber einem Nichtraucher (Kolte, 2006).

Rauchen als eine der Haupttodesursachen

Laut dem ESA aus dem Jahr 2021 gilt das Rauchen als Ursache für jährlich 125.000 Todesfälle in Deutschland. Weiterhin gaben 21% an, was insgesamt 2,4 Millionen Tabakkonsumenten betrifft, dass sie täglich mindestens 20 Zigaretten konsumieren (Rauschert et al., 2022). Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie ein allgemein geschwächtes Immunsystem sind Erkrankungsrisiken, die im komplexen Zusammenhang zwischen dem Konsum von den Inhaltsstoffen des Tabakrauches Kohlenmonoxid, Teer und Nikotin stehen (Kolte, 2006). Der Wirkstoff  Nikotin ist in seiner Effizienz, Schnelligkeit und dem Suchtpotenzial vergleichbar mit Opiaten, also z.B. Heroin oder Morphin. Daher ist die Nikotinabhängigkeit einer der häufigsten psychischen Erkrankungen (Wittchen & Hoyer, 2011). Auch von einem Tabakkonsum während der Schwangerschaft sollte zwingend abgesehen werden. Ein vermindertes Geburtsgewicht, ein erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt und eine erhöhte Mortalität des Fötus und Neugeborenen können Folgen bei einem Konsum während der Schwangerschaft sein (Kolte, 2006).

Der Konsum von E-Zigaretten zeigt seit dem Jahr 2015 kontinuierlich an und ist ebenfalls nicht unbedenklich. Auch wenn diese keinen Tabak enthalten, entstehen beim Erhitzen und Verdampfen des Liquids ein Aerosol, welches inhaliert wird. Die Schadstoffe des Aerosols können eine ähnlich hohe Konzentration, wie die von Tabak erreichen. Insgesamt wird das Krebsrisiko geringer eingestuft als bei einem Tabakkonsum (Alt-Epping, 2021).

Ein gesellschaftliches Problem?

Legale Drogen haben eine große Akzeptanz in unserer Gesellschaft und es gilt hier zu sensibilisieren. Nicht jeder ist gleich anfällig für das hohe Abhängigkeitspotenzial der Substanzen, jedoch sollte nicht nur die Abhängigkeit der Substanzen als Hauptproblem betrachtet werden. Auch der regelmäßige Konsum geringer Mengen der Substanzen kann zu körperlichen Schäden führen (Sieger, 2011). Die meisten Menschen in unserer Gesellschaft wachsen in dem Glauben auf, dass es normal ist z. B. Alkohol zu konsumieren. Daher informieren sich nur wenige Menschen über die tatsächlichen Auswirkungen legaler Drogen. Um es auf den Punkt zu bringen: Alkohol ist ein Zellgift. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass der konsumierende Mensch sich mit jedem Schluck Alkohol Gift in seinen Körper zuführt. Kurz- und mittelfristige Folgen, auch nach nur einer geringen Menge an Alkohol, sind u. a.: ein gestörter Schlafzyklus, eine erhöhte Anspannung, Beeinträchtigung der Entgiftung des Körpers, sowie die Schädigung der Darmflora. Unser Körper ist nach der Zufuhr von Alkohol vergiftet und versucht gegen den Giftstoff zu wehren (Whitaker, 2021).

Der regelmäßige und vor allem exzessive Konsum von Alltagsdrogen kann einen sehr viel größeren und vor allem breiteren Einfluss auf unsere Gesundheit haben als es in der Gesellschaft wahrgenommen wird. Gerade deswegen ist es sehr wichtig als Trainer, Therapeut oder Arzt zu Beginn herauszufinden, wie ein Kunde oder Patient mit dem Thema umgeht. Meiner Meinung nach sollte jedes ganzheitliche Assessment nicht nur physische Komponenten abfragen, sondern auch Komponenten mentaler Gesundheit (wie z. B. Stresslevel, Schlaf, Alkohol-/Drogenkonsum, Essverhalten).

Wie bereits erwähnt dreht sich gerade, wenn wir von Alltagsdrogen sprechen, auch ganz viel um das Thema Stressmanagement. Hohe Erwartungen, gesellschaftlicher Druck, emotionaler Stress und Traumata sind mit die Hauptgründe für maladaptive Copingstrategien wie Trinken und Rauchen. Als ganzheitlich arbeitender Trainer, Therapeut oder Arzt kann man hier unterstützend arbeiten, sollte sich jedoch auch immer seiner eigenen Grenzen bewusst sein und gegebenenfalls Kunden oder Patienten nahelegen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Weil Psychologie und Mindset ein wichtiger Bestandteil ganzheitlicher Gesundheit ist, bekommst du in unserer Health Coach Ausbildung verschiedene Tools rund um Psychologie, Mindsetarbeit und Stressmanagement an die Hand, mit denen du mit deinen Kunden oder Patienten arbeiten kannst. Wenn du nun tiefer in unsere verschiedensten Module eintauchen und die Health Coach Inhalte besser kennenlernen möchtest, kannst du dir hier deine kostenlose Demo anfordern.

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Laura Osterhaus
Laura Osterhaus

Als Suchttherapeutin mit einem abgeschlossenen Master of Science, verbindet Laura ihre umfassende Berufserfahrung als Sozialarbeiterin mit tiefgehendem Fachwissen in Sucht und mentaler Gesundheit. Ihre praxisnahen Coachingtools und Einsichten bieten wertvolle Perspektiven für jeden, der sich im Bereich der mentalen Gesundheit weiterentwickeln möchte.

Sein Motto: 
Christian Kirchhoff
Christian Kirchhoff

Christian ist Teil unseres Research Teams und beschäftigt sich täglich mit wissenschaftlichen Arbeiten und Studien. Er interessiert sich für das „Warum“ – also die Argumentationskette - hinter den Dingen und bereitet aktuelle Daten für Trainer, Therapeuten und Ärzte so auf, dass ihnen der Transfer von der Wissenschaft in die Praxis gelingt.

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Quellen

Alt-Epping, B., Fuxius, S., Wedding, U. (2021). Onkologie. Das wichtigste für Ärzte und Ärztinnen aller Fachrichtungen (2. Aufl.). Elsevier Health Sciences.

Kolte, B. (2006). Rauchen zwischen Sucht und Genuss (1. Aufl.). Verlag für Sozialwissenschaften.

Landgraf, M. N. & Hoff, T. (2019). Fetale Alkoholspektrumstörungen. Diagnostik, Therapie, Prävention (1. Aufl.). Kohlhammer.

Sieger, M. V., Batra, A., Mann, K. (2011). Alkohol und Tabak. Grundlagen und Folgeerkrankungen. Georg Thieme Verlag.

Pottgießer, T., Schorb, E., Ophoven, S. (2023). 80 Fälle Innere Medizin. Aus Klinik und Praxis (5. Aufl.). Elsevier Health Sciences.

Rauschert, C., Mцckl, J., Seitz, N.-N., Wilms, N., Olderbak, S., Kraus, L. (2022). The use of psychoactive substances in Germany—findings from the Epidemiological Survey of Substance Abuse 2021. Dtsch Arztebl Int; 119: 527–34.

Whitaker, H. (2021) Quit like a woman. Nüchtern und glücklich in einer Welt voll Alkohol (1. Aufl.). Mvg Verlag.

Wittchen, H.-U., Hoyer, J. (2011). Klinische Psychologie & Psychotherapie (2. Aufl.). Springer-Verlag

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